• 04.07.2021
      14:30 Uhr
      mareTV Classics Das Wolgadelta | NDR Fernsehen
       

      Wo die Wolga, der längste Fluss Europas in das Kaspische Meer fließt, formen über 800 Mündungsarme eine einzigartige Landschaft: Das Wolgadelta. Ein Eldorado für Wasservögel, Lebensraum und Arbeitsplatz für Menschen, die an und von der Wolga leben. Für die Russen ist "Mütterchen Wolga" mehr als nur ein Fluss - es ist ein Mythos, aber höchst lebendig.

      Sonntag, 04.07.21
      14:30 - 15:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Wo die Wolga, der längste Fluss Europas in das Kaspische Meer fließt, formen über 800 Mündungsarme eine einzigartige Landschaft: Das Wolgadelta. Ein Eldorado für Wasservögel, Lebensraum und Arbeitsplatz für Menschen, die an und von der Wolga leben. Für die Russen ist "Mütterchen Wolga" mehr als nur ein Fluss - es ist ein Mythos, aber höchst lebendig.

       

      Wo die Wolga, der längste Fluss Europas, in das Kaspische Meer fließt, formen über 800 Mündungsarme eine einzigartige Landschaft: das Wolgadelta. Ein Eldorado für Wasservögel. Mehr als 300 Arten leben hier, angelockt vom Fischreichtum des gewaltigen Deltas.

      Für die Russen ist "Mütterchen Wolga" mehr als nur ein Fluss. Seit Jahrhunderten ist die Wolga für sie Lebensader, Verkehrsweg, Energielieferant, Nahrungsquelle. Die Wolga wurde umkämpft, hundertfach in Liedern besungen und in Gedichten und Gemälden verewigt. Ein Mythos: Doch das Leben am Wolgadelta verändert sich.

      Anatoli Mitaljov kann sich gut an die Goldenen Zeiten erinnern: Vor 27 Jahren begann der damals 18-Jährige bei der Kolchose in Tischkovo als Fischer zu arbeiten, wie schon sein Vater und sein Großvater. "Wir haben gefischt wie besessen", erinnert sich Anatoli, "Quoten gab es nicht. Die Netze waren immer voll. Zander, Karpfen, Hecht und natürlich Stör!" Schwarzer Kaviar aus dem Wolgadelta brachte Devisen für die klamme Sowjetwirtschaft.

      Diese Zeiten sind vorbei. Überfischung, Wilderei und Wasserverschmutzung haben die Fischbestände extrem dezimiert. Der Stör-Fang ist komplett verboten, Fangzeiten und -mengen für andere Fischarten sind streng reglementiert, ein rigoroses Fangverbot droht. Dann werden die Fischer von Tischkovo endgültig auf dem Trockenen sitzen. So versucht Anatoli Mitaljov, wenigstens ein paar der berühmten Wildkarpfen an die Haken zu bekommen. Zur Geburtstagsfeier seiner Tochter will er Ucha kochen, die traditionelle Fischsuppe mit einer Prise Holzkohlenasche und einem gehörigen Schuss Wodka.

      Vera Vysokogorskaja ist die Fischzuchtexpertin der staatlichen Stör-Zuchtfarm BIOS bei Astrachan. Sie und ihre Kollegen wollen gezüchtete Beluga-Störe auswildern, und zwar so viele wie noch nie zuvor. Ein großes Ereignis! Unter strenger Aufsicht einer Delegation des Fischereiministeriums sollen 150.000 kleine Störe in die Wolga entlassen werden, um die Bestände wieder zu vergrößern.

      Der Priester Pjotr steht dem südlichsten orthodoxen Klosters im europäischen Russland vor, weit von der Zentrale in Moskau entfernt. Tagsüber leitet er den Betrieb auf dem kleinen Klosterbauernhof im Wolgadelta, abends sitzt er stundenlang vor seinem Computer und beantwortet Hunderte von Fragen der Gläubigen via Internet. Piotr versucht mit "Gottes Wort" in zehn E-Mail-Zeilen zu antworten: "elektronische Seelsorge" auf Russisch.

      Olga Romanenko ist eine echte Unternehmerin und setzt auf die Schönheit des Wolgadeltas. Vor zwölf Jahren hat sie einen abgewrackten Ponton mit Wohnbaracken gekauft und alles zu einem schwimmenden Hotel umgebaut. Dann wurde das Objekt zu einer kleinen gepachteten Insel weit draußen im Delta geschleppt: "Olgas Basis" war entstanden. Mittlerweile gibt es zusätzlich Blockhütten, einen kleinen Hafen und riesige, von Olga selbst angepflanzte Lotusfelder. Mittendrin stolziert der zahme Krauskopfpelikan Kescha herum, den Olga vor Jahren verletzt gefunden und aufgepäppelt hat.

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