• 30.09.2022
      04:15 Uhr
      mein ausland Ausgegrenzt: Israel und seine arabischen Bürger | phoenix
       

      "Wo immer Araber sind, da gibt es Terror-Attacken. Und ihr erwartet tatsächlich, dass ihr in unsere Nachtclubs dürft? / Ich unterstütze keinen Terror, ich bin gegen Gewalt. Aber 70 Jahre Besatzung - natürlich gibt es da Widerstand." Der Rap-Song "Lets talk straight" ist ein Schlagabtausch eines jüdischen und eines arabischen Israeli, voller bitterer Vorwürfe. Die beiden Musiker von DUGRI nehmen kein Blatt vor den Mund und benennen die Gräben, die durch die israelische Gesellschaft gehen.
      In Israel gibt es 2,1 Millionen israelische Araber, mehr als 20 % der Gesamtbevölkerung. Der Film stellt das Lebensgefühl dieser Menschen dar.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 30.09.22
      04:15 - 05:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      "Wo immer Araber sind, da gibt es Terror-Attacken. Und ihr erwartet tatsächlich, dass ihr in unsere Nachtclubs dürft? / Ich unterstütze keinen Terror, ich bin gegen Gewalt. Aber 70 Jahre Besatzung - natürlich gibt es da Widerstand." Der Rap-Song "Lets talk straight" ist ein Schlagabtausch eines jüdischen und eines arabischen Israeli, voller bitterer Vorwürfe. Die beiden Musiker von DUGRI nehmen kein Blatt vor den Mund und benennen die Gräben, die durch die israelische Gesellschaft gehen.
      In Israel gibt es 2,1 Millionen israelische Araber, mehr als 20 % der Gesamtbevölkerung. Der Film stellt das Lebensgefühl dieser Menschen dar.

       

      In Israel gibt es 2,1 Millionen israelische Araber - das sind mehr als 20 % der Gesamtbevölkerung. Sie werden als arabische Israelis oder israelische Palästinenser bezeichnet. So verwundert es nicht, dass viele von ihnen selbst nicht immer wissen, wo sie stehen.

      Zwar ist ihr Schicksal eng mit dem ihrer palästinensischen Familien in der West Bank und in Gaza verbunden, dennoch sind sie seit der Staatsgründung Israels 1948 eigene Wege gegangen, als viele Palästinenser flohen oder vertrieben wurden.

      In Israel hat man ihnen schon immer misstraut, sie hinter vorgehaltener Hand als fünfte Kolonne der Palästinenser innerhalb Israels angesehen. Sie selbst hatten umgekehrt von jeher Schwierigkeiten sich mit dem jüdischen Staat zu identifizieren, gegen den Palästinenser und Araber immer wieder Krieg und Intifada geführt haben. Die meisten haben sich inzwischen mit den Staat Israel arrangiert und profitieren von dessen Wohlfahrt und Wohlstand. Dennoch fühlen sie sich diskriminiert und in allen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt. Sie sind israelische Bürger zweiter Klasse.

      Im vergangenen Mai brach sich der Unmut während des Gazakrieges Bahn. In vielen gemischt arabisch-jüdischen Städten kam es zu massiven gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Viele sind immer noch erschüttert über diesen unerwarteten Ausbruch von Gewalt. Eines zeigt er auf jeden Fall: Israel kann seine arabische Minderheit nicht weiter ausgrenzen. Ein gesellschaftlicher Entwicklungsprozess ist in Gang gekommen - nicht nur weil eine arabisch-islamischen Partei erstmals in der Regierung vertreten ist.

      Die mein ausland-Reportage "Ausgegrenzt" stellt das Lebensgefühl dieser Menschen dar, zwischen Benachteiligung und Ablehnung - auch der eigenen. Michael Bewerunge, Studioleiter des ZDF in Israel, hat einige von ihnen getroffen. Menschen, die um ihre eigene Identität kämpfen und um Anerkennung und Wohlstand.

      Zum Beispiel die beiden Rapper, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Uriya Rosenman und Sameh Zakout, einer Jude, der andere arabischer Israeli. Inzwischen ziemlich beste Freunde. Sie fanden sich zu einem Video-Projekt zusammen, dass am Jahrestag des Endes des Gaza-Krieges 2021 veröffentlicht wurde und in den sozialen Medien sofort viral ging. Ein Jude und ein Araber sitzen sich in einer Autowerkstatt gegenüber und werfen sich alles an Vorurteilen und Bitterkeit an den Kopf, die es in ihrem Verhältnis gibt. Ihre soziale Initiative Lets talk Straight will durch Musik und Bildungsprojekte zu einer besseren gemeinsamen Zukunft von jüdischen und arabischen Israelis beitragen.

      Als ihr größtes Problem wird von den arabischen Israelis Gewalt und Mord im arabischen Sektor angesehen. Dass die israelische Gesellschaft jahrzehntelang nichts dagegen unternommen hat, wird selbst vom Ministerpräsident Bennett und seinem Polizeiminister nicht bezweifelt. Umgekehrt vertrauen arabische Israelis der israelischen Polizei nicht, weil sie oft nicht ernst genommen oder misshandelt werden. Michael Bewerunge zeigt am Beispiel von Wadfa Aljabaly, einer Mutter aus Taibe, deren Sohn ermordet wurde, welche Rolle die Gewalt in arabischen Communities spielt.

      In vielen Bereichen fehlt aber auch die rechtliche Gleichstellung. Um den Zuzug von Palästinensern aus der Westbank und Gaza zu verhindern, wird ihnen bei einer Heirat mit einem Israeli die Staatsbürgerschaft verweigert. Damit sind sie in Israel in vielerlei Weise rechtlos. Bei vielen Menschen hat das zu einem Trauma geführt, so wie bei Familie von Tayseer und Lana Khatib aus der nordisraelischen Hafenstadt Akko. Sie müssen seit 16 Jahren damit leben, dass Ehefrau Lana aus Jenin in der Westbank in Israel nur eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung hat und so gut wie keine Rechte besitzt.

      Und doch tut sich etwas in Israels Gesellschaft. Seit letztem Jahr sitzt mit Ra´am, der Vereinigten Arabischen Liste, erstmals eine arabisch-islamische Partei in der Regierung. Ihr Führer Mansour Abbas hat m

      illiardenschwere Projekte für die arabische Minderheit ausgehandelt. Können Abbas und Menschen wie Uriya Rosenman und Sameh Zakout vielleicht doch etwas bewirken?

      Film von Michael Bewerunge

      Wird geladen...
      Wird geladen...
      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 30.09.22
      04:15 - 05:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 06.02.2023