• 10.12.2022
      07:10 Uhr
      Ungewollt schwanger in Deutschland - Der Paragraf und ich Film von Luzia Schmid | tagesschau24
       

      Abtreibung ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Der § 218 ist in Deutschland bis heute im Strafgesetz verankert. WĂ€hrend die Politik debattiert, das höchste Gericht urteilt, wehren sich die Frauen. Stimmen aus drei Generationen erzĂ€hlen von dunklen Zeiten, Befreiung und RĂŒckschlĂ€gen, von schwierigen Lebensentscheidungen im Schatten des Paragrafen.

      Samstag, 10.12.22
      07:10 - 07:45 Uhr (35 Min.)
      35 Min.

      Abtreibung ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Der § 218 ist in Deutschland bis heute im Strafgesetz verankert. WĂ€hrend die Politik debattiert, das höchste Gericht urteilt, wehren sich die Frauen. Stimmen aus drei Generationen erzĂ€hlen von dunklen Zeiten, Befreiung und RĂŒckschlĂ€gen, von schwierigen Lebensentscheidungen im Schatten des Paragrafen.

       

      Deutschland im Jahr 2022. Junge Frauen kĂ€mpfen gegen den § 218 und fĂŒr das Recht auf eine gute medizinische Versorgung bei SchwangerschaftsabbrĂŒchen. Denn die ist hierzulande wieder zu einem Problem geworden. Es sind die Enkelinnen jener „Hexen“, die bereits vor ĂŒber 50 Jahren auf Deutschlands Straßen mit Wut, Witz und Vehemenz fĂŒr den legalen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland gekĂ€mpft haben. Doch statt Plakaten, FlugblĂ€ttern und Sprechchören findet der Protest heute - genau wie bei #Metoo - ĂŒberwiegend in den sozialen Medien statt: #MyBodymyChoice und #wegmit218 heißt es wĂŒtend auf Instagram, Twitter und TikTok. Der Film „Ungewollt schwanger in Deutschland - Der Paragraf und ich“ portrĂ€tiert eine Gruppe von Frauen, die im Verlauf ihres Lebens mit der Frage des Schwangerschaftsabbruchs konfrontiert wurden: als Ärztin, Aktivistin, Mutter oder kinderlose Frau, in Ost und West, in der Stadt und auf dem Land.

      Karin Bergdoll ist eine von ihnen: In den 60er Jahren ĂŒberlebt sie mit knapper Not einen illegalen Abbruch. Ohne Zugang zu VerhĂŒtungsmitteln, mit der gesetzlichen Pflicht zum ehelichen Beischlaf, werden Frauen damals schwanger, ob sie es wollen oder nicht. Die Not treibt die Frauen zu Ärzten, die sich den Abbruch teuer bezahlen lassen, oder zu Kurpfuschern und Engelmacherinnen: Tausende Frauen sterben damals jedes Jahr an den Folgen.

      Die Wut darĂŒber treibt Anfang der 70er Jahre die Frauen zu Hunderttausenden auf die Straße: sie fordern „Weg mit dem §218“. Eine Losung, hinter der sich die Frauenbewegung in ihrem Kampf nach Gleichberechtigung versammelt. Dass ein Schwangerschaftsabbruch, besonders in den lĂ€ndlichen Gebieten, heute wieder zu einem Problem geworden ist, merkt die junge Berliner Ärztin Alicia Baier schon in ihrem Studium. Es ist der am hĂ€ufigsten durchgefĂŒhrte gynĂ€kologische Eingriff, der aber im Studium nicht gelehrt wird. Und jeden Monat schließt eine weitere Praxis, in der AbbrĂŒche vorgenommen werden - ohne Nachfolge.

      Denn die Abtreibungsgegner:innen sind nicht nur in den USA auf dem Vormarsch. Die Wut darĂŒber lĂ€sst sie zu einer der fĂŒhrenden jungen Aktivist:innen werden, um RĂŒckschritte zu verhindern. Dabei wurde in Ost- und Westdeutschland schon dreimal die Fristenlösung beschlossen - 1972 in der DDR, 1974 in der BRD und 1992 im wiedervereinigten Deutschland. Aber immer wieder wurde den deutschen Frauen das Recht auf den legalen, selbstbestimmten Abbruch genommen oder verweigert.

      Besonders hart traf es die Frauen der ehemaligen DDR nach der Wende, denen nach der parlamentarischen Mehrheit das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes nach ĂŒber 20 Jahren das Recht wieder aberkannte - in dem es die Rechte des ungeborenen Lebens ĂŒber die Rechte der Frauen stellte. „Wo sind wir gelandet? In der Vergangenheit!“ konstatiert Heike Walter empört.

      Der Film erzĂ€hlt die Geschichte des Kampfes fĂŒr die Abschaffung des § 218 aus der Perspektive von Frauen, denen das Leben schwierige Entscheidungen abverlangt hat. Nicht alle Geschichten mĂŒnden in einen Abbruch, nicht alle AbbrĂŒche sind gut verarbeitet, keine von ihnen sagt, ein Abbruch sei ein Spaziergang. Aber alle Frauen sagen, dass es ihre selbstbestimmte Entscheidung sein muss. Mit allen Konsequenzen.

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