• 08.03.2021
      14:45 Uhr
      alpha-retro: Beispiele zur Lebensweise der alleinstehenden Frau (1975) ARD-alpha
       

      Von der Gesellschaft wurden alleinstehende Frauen noch in den Siebzigerjahren scheel angesehen. Man tuschelte über sie und wenn eine Frau alleine in ein Restaurant gehen wollte, bekam sie mit Sicherheit den Katzentisch neben der Toilette. Viele Männer behandelt sie auch wie Freiwild. Cissy Preuss porträtierte 1975 für den BR mehrere alleinstehende Frauen, von der Arbeiterin bis zur Kinderärztin, die vielen Männern zu selbstbewusst ist und die für einen Mann ihren Beruf auch nicht aufgeben würde.

      Montag, 08.03.21
      14:45 - 15:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Von der Gesellschaft wurden alleinstehende Frauen noch in den Siebzigerjahren scheel angesehen. Man tuschelte über sie und wenn eine Frau alleine in ein Restaurant gehen wollte, bekam sie mit Sicherheit den Katzentisch neben der Toilette. Viele Männer behandelt sie auch wie Freiwild. Cissy Preuss porträtierte 1975 für den BR mehrere alleinstehende Frauen, von der Arbeiterin bis zur Kinderärztin, die vielen Männern zu selbstbewusst ist und die für einen Mann ihren Beruf auch nicht aufgeben würde.

       

      Cissy Preuss porträtierte 1975 für den BR mehrere alleinstehende Frauen, von der Arbeiterin bis zur Kinderärztin.
      Die erste der befragten Frauen - eine Sekretärin in gut bezahlter Stellung - hat reale Angst davor übrig zu bleiben und will dann halt irgendwann doch einen netten Mann heiraten, um nicht allein zu sein und um - "das ist ein trauriger Punkt, aber das ist wahr" - in der Gesellschaft als sogenannter anständiger Mensch dazustehen. Denn das Ansehen der alleinstehenden Frau ist unterirdisch schlecht - damals zu Beginn der Siebzigerjahre. Und das alleine Weggehen am Abend war fast unmöglich für die meisten alleinstehenden Frauen: Sie fanden, dass sie dabei von vielen Männern quasi als Freiwild betrachtet und behandelt wurden. Eine andere Frau ist ungelernte Arbeiterin und alleinerziehende Mutter: Sie hat andere Probleme als z. B. die alleinstehende Kinderchirurgin, die den Männern viel zu selbstbewusst ist.
      Allein der Stil der Wohnungseinrichtungen und die Garderobe und die Frisuren der Frauen in der Mitte der Siebzigerjahre sind beachtenswert. Und es wird intensiv darüber nachgedacht, ob es zur Ehe nicht Alternativen gibt: eine feste Partnerschaft ohne Trauschein. Die letzte dargestellte Frau ist Lehrerin: sehr fröhlich, musikalisch, kein Hascherl, aber auch, wie sie selbst sagt, eine Frau, die aufgrund ihres Aussehens, ihrer Figur immer nur als Kumpel wahrgenommen wird.
      Diese Lehrerin erinnert auch ein wenig an die junge Bally Prell. Sie sagt: "Je länger man alleine ist, verhärtet man sich doch irgendwie und legt sich als Frau diesen etwas schnoddrigen Ton zu, weil man sich eben immerzu durchsetzen muss. Das wird einem dann von Männern oft als zu burschikos ausgelegt. Ich habe mich mit dem Alleinsein zwar noch nicht hundertprozentig abgefunden, aber ich halte mich doch für fähig, weiterhin ein Leben in dieser Art zu führen. Das ist zwar womöglich nicht das Allererstrebenswerteste, aber es ist erträglich." Und dann singt sie, sich selbst auf der Gitarre begleitend, das Lied: "Ich hab geliebet, ich hab genossen, die Zeit der Jugend, sie ist verflossen."

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      Montag, 08.03.21
      14:45 - 15:30 Uhr (45 Min.)
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