• 20.05.2022
      03:05 Uhr
      artour Das Kulturmagazin des MDR | MDR FERNSEHEN
       

      Themen u.a.:

      • Singen ist bunt: Eine Dokumentation zum Chorfest in Leipzig
      • Die Bilderkriegerin: Ein Spielfilm über die Kriegsfotografin Anja Niedringhaus
      • Weltflucht und Moderne: Oskar Zwintscher in der Kunst um 1900
      • Ist Pazifismus noch zeitgemäß?
      • Kulturkalender

      Themen u.a.:

      • Singen ist bunt: Eine Dokumentation zum Chorfest in Leipzig
      • Die Bilderkriegerin: Ein Spielfilm über die Kriegsfotografin Anja Niedringhaus
      • Weltflucht und Moderne: Oskar Zwintscher in der Kunst um 1900
      • Ist Pazifismus noch zeitgemäß?
      • Kulturkalender

       
      • Singen ist bunt: Eine Dokumentation zum Chorfest in Leipzig

      Am 26. Mai sendet der MDR eine 45 Minuten lange Dokumentation über diverse Chöre in Deutschland. Divers heißt hier bunt - es gibt z.B. über 100 schwul-lesbische Chöre in Deutschland. Einer davon: die "Tollkirschen" aus Leipzig. Divers heißt auch: alle sehr unterschiedlich und auch mit unterschiedlichem musikalischen Anspruch. Von Pop bis Klassik. Von Spaß bis professionell. Mit Auftritten und ohne. Viele Flüchtlinge haben Chöre gegründet oder sich an anderen Chören beteiligt und sichern dadurch den Fortbestand von Chören, die sonst durch mangelnden Nachwuchs von der Chorlandkarte verschwunden wären. So hat z.B. der Syrer Ahmad Abbas den "syrischen Friedenschor" gegründet. Am Anfang mit dem Anspruch "Singen gegen das Kriegstrauma". Jetzt haben alle viel Spaß dabei.
      So gibt es auch in Senftenberg den Bergmannschor, der vor allem in der Kohleregion Bergmannslieder gesungen hat. Jetzt, da das Braunkohlerevier geflutet wird, haben sie ihr Programm geändert und singen nur noch Seemannslieder. Auch gibt es zahlreiche Gefängnischöre wie in Bayreuth, oder die Karlsruher Knastknaben oder den Chor der JVA Burg. Ebenso die Bergfinken - den ältesten Bergsteigerchor Europas. Den Chor der Muffeligen mit Anke Engelke oder Sing and sign - einen Chor mit Gebärdensprache und den Stadtsingechor aus Halle, den wohl ältesten Chor Deutschlands.
      Ein kurzer Ausblick in "artour" auf das, was die Dokumentation in der nächsten Woche zeigt. Außerdem gibt es sechs kurze Episoden, die ab 20. Mai in der ARD-Mediathek abrufbar sind.

      • Die Bilderkriegerin: Ein Spielfilm über die Kriegsfotografin Anja Niedringhaus

      Bekannt geworden ist das Foto von US-Präsident George Bush junior, der lachend in Uniform US-Soldaten zu Thanksgiving einen riesigen Truthahn serviert. Anja Niedringhaus fotografierte die Szene als Einzige 2003 in Bagdad. Niemand sonst wusste, dass der Präsident bei den Truppen war. Oder das: Marines beim Sturm auf Falludscha - aus dem Rucksack des Einen ragt eine GI-Joe-Barbie-Puppe. Auch von Anja Niedringhaus - aus einer Serie, für die sie als erste Deutsche den Pulitzer-Preis bekam. Anja Niedringhaus war eine selten talentierte Fotojournalistin, die - obgleich ständig in Kriegsgebieten unterwegs - das Tragen einer Schutzweste ablehnte, um denen, die sie fotografierte, näher zu sein. Denn auch die trugen meist keine Westen. 2014 begleitete sie mit der Kamera die Wahlen in Afghanistan und wurde von einem Polizisten ermordet.
      Anders als die Milliarden Fotos, die via Twitter oder Telegram von Teilnehmern und Zaungästen des brutalen Weltgeschehens live um die Erde geschickt werden, hatten ihre Bilder immer einen doppelten Boden. Sie zeigen neben der Grausamkeit des Krieges auch die Menschlichkeit, wie die Menschen - auf allen Seiten - ihr Leben zu meistern versuchen, auch, wie sie scheitern.
      Ein Biopic versucht nun, das mutige und bedingungslose Wirken dieser Fotografin auf die Leinwand zu bringen.
      "artour" traf den Regisseur des Films und eine Journalistin, die Anja Niedringhaus' Werk schon lange begleitet und an einem großartigen Fotoband mitgewirkt hat: beide Arbeiten tragen den Titel: "Die Bilderkriegerin". Der Film kommt am 26.5. ins Kino.

      • Weltflucht und Moderne: Oskar Zwintscher in der Kunst um 1900

      Kaum ein anderer bedeutender deutscher Künstler aus der Zeit um 1900 harrte länger einer grundlegenden Neubewertung als Oskar Zwintscher (1870 - 1916). Wichtige Stationen seines Schaffens waren Dresden, Meißen, München, Wien und Worpswede. Mit ungewöhnlichen Bildern und dem "märchen-dunklen, morbiden Glanz seiner metallisch-kühlen Farbspiele" (Egbert Delpy) erreichte Zwintscher zu Lebzeiten große Anerkennung, erfuhr aber auch heftige Ablehnung.
      In der Ausstellung wird sein facettenreiches Werk zwischen Jugendstil und Symbolismus umfassend vorgestellt. Sie zeigt den Künstler auf Augenhöhe mit anderen großen Künstlern um 1900 wie Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler und Gustav Klimt. Die

      aufregende Epochenschwelle zum 20. Jahrhundert wird eindrucksvoll erfahrbar. Seit den 1890er Jahren malte Zwintscher faszinierende Werke: symbolistisch aufgeladene Bilder und suggestive Landschaften ebenso wie feinfühlige Porträts, die zum Besten zählen, was zwischen Realismus und Jugendstil geschaffen worden ist. Sein Ruhm mündete 1910 in einer Einzelausstellung auf der Biennale von Venedig.
      Die Ausstellung im Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist ab 14. Mai und noch bis zum 15. Januar 2023 zu sehen.

      • Ist Pazifismus noch zeitgemäß?

      "Ich respektiere jeden Pazifismus, ich respektiere jede Haltung, aber es muss einem Bürger der Ukraine zynisch vorkommen, wenn ihm gesagt wird, er solle sich gegen die Putinsche Aggression ohne Waffen verteidigen", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz auf einer Kundgebung am 1. Mai. "Das ist aus der Zeit gefallen!" Der Pazifismus ist seit dem Ukrainekrieg unter Verdacht geraten, eine bequeme und letzten Endes zynische Inkaufnahme militärischer Aggression zu befürworten. Selbst prominente Bürgerrechtler und Protagonisten der Friedensbewegung fordern vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine Waffenlieferungen, eine Zeitenwende auch für sie. War die Friedensbewegung in den 80er Jahren in West ("Frieden schaffen ohne Waffen") und in der DDR ("Schwerter zu Pflugscharen") nur eine historische Chimäre, von der im Ernstfall nichts bleibt? Wie bewerten Antje Vollmer und Markus Meckel, Akteure, die selbst die Politik vor und nach 1989 nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet haben, heute ihr pazifistisches Engagement von damals?

      "artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

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